Badische Profile:
Friedrich August Haselwander
Er erfand vor 113 Jahren die moderne Drehstrommaschine und hatte
dennoch kein Glück damit: Friedrich August Haselwander. Dem Offenburger
machte ein verlorener Patentstreit zu einem betrogenen Genie.
Von Michael Haß
In der mechanischen Werkstätte der Firma Bilfinger herrscht emsige
Betriebsamkeit. Friedrich August Haselwander prüft immer wieder die
Wicklungen seiner neuen elektrischen Maschine. "Wird schon klappen,
Herr Ingenieur" versucht Elektrotechniker Georg Beyle den etwas
nervösen Haselwander zu beruhigen. Denn nur noch wenig Zeit bleibt bis
zum 12. Oktober 1887, dem Tag, an dem die neue Maschine in der Hutfabrik
der Firma Adrion in der verlängerten Wilhelmstraße zum ersten mal
laufen soll, nein, laufen muss. Ausprobieren kann der Offenburger seine
neueste Errungenschaft nicht. Heute, 113 Jahre später wissen wir, dass
Haselwanders Lampenfieber unbegründet war. Auf Anhieb lief die erste
moderne Drehstrommaschine der Welt.
Damit
hatte Friedrich August Haselwander bewiesen, dass seine Theorie vom
dreiphasigen Wechselstrom, der am 21. Juli 1887 zum Patent angemeldet
wurde, stimmte und praktischen Nutzen hatte. Und was für einen: Ohne
Dreiphasentechnik wäre der elektrische Strom nicht zu jenem heute
unentbehrlichen Helfer der Wirtschaft geworden. Ohne diese Technik gäbe
es heute kein europaweites Strom-Verbundnetz.
Das konnte freilich der Patentbeamte im kaiserlichen Berlin 1887
nicht ahnen. Überhaupt hat der biedere Sachbearbeiter nicht viel von
Elektrotechnik verstanden. Er verkennt ganz offensichtlich die Tragweite
der Haselwanderschen Erfindung und weist das Patentgesuch anfangs
zurück. Erst zum 30. Juni 1889 erteilt Berlin das Patent.
Haselwander hatte nicht lange seine Freude daran gehabt. Es hagelte
Einsprüche, denen das Patentamt stattgab. Pech für den Offenburger,
dass Berlin die wesentlichen Unterschiede zwischen seiner und anderen
Erfindungen nicht erkannte. Sich auf einen Patentstreit einzulassen, das
fehlte Friedrich August Haselwander schlicht das nötige Kleingeld. Denn
der Streitwert war astronomisch hoch: 30 Millionen Mark. Die
Großindustrie, die hinter der Auseinandersetzung steckte, hatte den
ungeheuren wirtschaftlichen Nutzen des Drehstroms längst erkannt. Der
arme Haselwander bleib auf der Strecke. Eine schwere Enttäuschung, die
der gebürtige Offenburger niemals überwand.
Lange läuft auch seine erste Drehstrommaschine in der Hutfabrik
Adrion nicht. Angeblich soll die Maschine die Telegrafenleitung stören.
Kurzum untersagt die Post 1890 den weiteren Betrieb und verbietet auch
eine stationäre Anlage. Aber immerhin läuft 1891 der Haselwander´sche
Generator auf der großen elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt.
Jahrzehnte später, 1925, greift ein verbitterter alter Mann zur
Feder: "Meine Drehstrommaschine steht, nachdem sie auf dem
Prüfstande in Gang gewesen ist und sich als noch betriebsfähig
erwiesen hat, zur Versendung bereit", schreibt der inzwischen mit
der Ehrendoktorwürde ausgezeichnete Haselwander. Empfänger ist das
deutsche Museum in München. Bis heute steht dort im Ehrensaal der
Elektrotechnik jene bahnbrechende Erfindung.
Jahre nach seinem Tod 1932 erkennen große Firmen wie AEG und Siemens
seine Erfindung an und geben zu, dass er der Erbauer der ersten
Drehstrommaschine war. Doch da war es zu spät. Auf dem Offenburger
Friedhof hat man ihm zu Ehren eine Gedenktafel errichtet. Zudem ist eine
Straße nach ihm benannt und die Gewerbeschule trägt seinen Namen. Was
bleibt ist das Goethewort auf Haselwanders Grab. "Die Tat ist
alles, nichts der Ruhm."
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